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Ausstellung in der Stadtbibliothek in Radolfzell Januar 2017

Ausstellung in der Stadtbibliothek vom 20 Januar bis 29 April 2017

Durch Überlagerungen gestaltete Ansichten prägnanter „Radolfzeller Ecken“ entstanden diese Fotos. Neue erstaunliche Ansichten des Münsters und der Altstadt. Durch die Grösse der Bilder (100cm x 250cm) ein Seherlebnis der besonderen „ART“.  Das Ambiente des Gewölbekellers  im „Schlössle“ trug sein Übriges zu einer rundum gelungenen Ausstellung bei.

 

2 Kommentare

  1. Dr.Doris Nsiff

    Entdeckungen

    Fotografien halten einen winzigen Moment im Lauf der Zeit fest und bewahren ihn. Sie vermitteln dem Betrachter aber auch eine Stimmung und verleiten zum Interpretieren. Hierbei verbindet sich eigenes Erleben mit dem Dargestellten zu neuen Einsichten und führt oft zu überraschenden Entdeckungen.
    So ging es mir bei den Bildern von Klaus Küster „ Ansichten von Radolfzell“. Ich kenne Radolfzell nicht sehr gut, aber das ist für mich beim Anblick der Bilder unwesentlich, weil mich in erster Linie die subtile Farbgebung anspricht, die mit den hier verwendeten Collagetechniken eine wunderbare Einheit bildet.

    „Radolfzell-Obertor“ beeindruckt durch den dynamischen Einsatz der gestaffelten Hausformen in der Bildfläche. Auch hier überzeugt die kühle Farbgebung in Verbindung mit ihren Abstufungen von Blau und Grün. Fein strukturierte Blätter und Bäume ergänzen als Textur und schaffen einen Gegensatz zu den geraden Architekturlinien. Eine eindrucksvolle Arbeit in meinen Augen.

    Im Bild „Radolfzell Münster“ schweift der Blick über Farben und Formen und wird doch immer zurückgeführt auf das zentrale Motiv von Altar und Kreuz. Bildebenen und farbliche Overlays sind meisterhaft gehandhabt und verraten den Maler Klaus Küster. Der Wechsel von hellen und dunklen Bildkomponenten schafft Spannung und lädt ein zum Entdecken von Details. Für mich ist es das schönste Bild der ganzen Serie.

    „Radolfzell-Obertor am See“ hebt sich hervor durch die prominenten Führungslinien, die den Blick ohne weitere Umschweife auf den Bildmittelpunkt lenken. Die Bäume im Vordergrund sind Kontrast und Rahmen zugleich . Das Münster im Hintergrund als Silhouette in Pastelltönen verleiht dem Bild eine träumerische Anmutung.

    „Untersee in Hegau“ brachte mich ins Nachdenken, weil sich mir die Absicht des Kontrastes zwischen den sanften Formen der Seelandschaft und den harten rechteckigen Formen der Texturen nicht ohne weiteres erschloss. Bilder müssen im Grunde auch nicht erklärt werden, und der Bildautor vermittelt dem Betrachter eben die eigenen Gedanken und Vorstellungen. So bleibt es jedem überlassen das Bild für sich selbst zu interpretieren.

    „Liebesinsele“: Eine Baumgruppe im Spätherbst oder Winter in feinen Brauntönen, die sich im Wasser spiegelt, und eine mittig gesetzte Horizontlinie, die dem Bild Ruhe und Ausgeglichenheit verleiht. Unterstützt wird dieser Eindruck meines Erachtens durch die sparsame Verwendung von Blau und Braun, ergänzt durch feine Stufen von Grau.
    Während der originale Bildaufbau durchaus dem Betrachter Tiefe vermittelt, ist die Textur von
    Schaum (?) oder Steinen (?) aus der Draufsicht flach aufgetragen. Dieser Gegensatz führt weg von gewohnten Sichtweisen und fordert auf, sich mit Bild und Autorenabsicht genauer auseinanderzusetzen.

    Bild 6, das keinen Titel trägt, zeigt mir eine Allee oder Straße mit mehreren Bäumen ohne Laub in der kalten Jahreszeit. Die Menschen sitzen auf Bänken oder gehen vorbei. Bäume und Menschen sind als schwarze Silhouetten erkennbar vor einem zartfarbigen Hintergrund von Häusern und Gärten im Sommer. Auch die untere Bildkante, der unmittelbare Vordergrund, zeigt Elemente des Sommers. Den Mittelgrund könnte man also als „kalt“ interpretieren. Eine sehr interessante Sichtweise auf die Zeit, in der wir leben. Dieser Mittelgrund zeichnet sich aus durch eine Menge feiner Details. Durch den strengen linearen Bildaufbau und die Proportionen des Bildes entsteht zunächst beim Betrachter in den meisten Fällen ein unspektakulärer Eindruck, der sich aber schnell wandelt, wenn man sich mit den inhaltlichen Elementen beschäftigt.

    Ich möchte an dieser Stelle natürlich keine umfassende Bildkritik schreiben, sondern nur einige Aspekte betonen, die mein Interesse an dieser Serie geweckt haben und meine Hochachtung für den Fotografen Klaus Küster ausdrücken . Künstler sehen die Welt immer ein wenig anders als wir , und ich habe mich gefreut, an der Sichtweise von Klaus Küster bei diesen Bildern wenigstens theoretisch teilhaben zu dürfen.

    Ich wünsche weiterhin viel Erfolg.
    Doris Nsiff

  2. Klaus

    Liebe Doris,
    erstmal vielen Dank für Deine Fachkompetente und sehr detailierte Beurteilung meiner Fotos. Ich möchte als erstes auf das Foto „Liebesinsele“ eingehen. Das Liebesinsele, wie es im Rzeller Volksmund genannt wird, ist eine kleine Erhebung im Untersee vor der Mettnau. Ihren Namen trägt sie weil, so ist mir überliefert, im Jahre 1956 eine kleine Liebesszene des Filmes „Die Fischerin vom Bodensee“ auf dieser Miniinsel gedreht wurde. Als im letzten Winter der Untersee rund um die Mettnau teilweise gefroren war, machte ich mich mit der Kamera auf den Weg zu eben dieser Insel, wohlwissend dass dort wenn der See gefroren ist immer eine tolle Stimmung zu erwarten ist. Also machte ich mehrere Aufnahmen der Insel sowie im Uferbereich von den eigefrorenen Steinen. (was Du als Schaum oder richtig als Steine definiertest). Beides habe ich dann später am PC übereinandergelegt und die Insel nochmal herausgearbeitet.
    Zum Panorama „Untersee mit Hegau“ ist folgendes zu sagen bzw. zu schreiben. Das Motiv wurde in Allensbach aufgenommen und zeigt den Untersee mit den Hegaubergen. Ich knipste das Foto vor einigen Jahren im späten Dezember 20 Grad Celsius (plus natürlich wie es sich zu Weihnachtsmarktzeiten gehört) um 16 Uhr in der Abenddämmerung. Die Stimmung am See war gigantisch, habe an diesem Winterabend einige meiner schönsten Unterseefotos gemacht. Nun ja, Stimmung ist das Eine das Andere was ein Bild interessant macht oder machen kann sind die Überraschungsmomente die die normale Sehweise durchbrechen. Da ich im Normalfall fotografisch erfasste Sonnenuntergänge hasse, diesen aber wegen seiner enormen Stimmung eines altmeisterlichen Gemäldes, unbedingt künstlerisch weiterverarbeiten wollte habe ich mich dazu entschlossen ihn mit dem Foto eines Wandgraffitis aus Leipzig zu kombinieren. Mit einem Augenzwinkern kann man auch die Textur „More Contents less chalk“ erkennen was ich mit „Mehr Inhalt weniger Sonnenuntergang“ in diesem Falle übersetzen würde.

    Ich hoffe dass ich Dir diese Fotos etwas näherbringen konnte und hoffe, da ich ja auch Deine Fotos sehr schätze, in Bälde auf meiner Gästeseite begrüßen kann.

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